Eine Website in eine weitere Sprache zu bringen, ist selten nur eine Textaufgabe. Wer bloß den vorhandenen Inhalt übersetzt, erhält eine Seite, die zwar lesbar ist, aber in der Zielsprache nicht gefunden wird und sich fremd anfühlt. Erfolgreiche Lokalisierung verbindet drei Ebenen: sprachliche Qualität, technische Umsetzung und Suchsichtbarkeit im Zielmarkt. Dieser Leitfaden beschreibt den Ablauf aus Auftraggebersicht und zeigt, welche Entscheidungen früh getroffen werden müssen, weil sie später teuer zu korrigieren sind.
Übersetzung, Lokalisierung, Transkreation
Die drei Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Leistungstiefen und damit unterschiedliche Budgets.
- Übersetzung überträgt den Inhalt möglichst genau. Sinnvoll bei Dokumentation, Hilfetexten, Produktdaten und rechtlich geprägten Passagen.
- Lokalisierung passt zusätzlich alles an, was marktabhängig ist: Ansprache, Beispiele, Währungen, Maßeinheiten, Formate, Zahlungsarten, Kontaktwege und Erwartungen an Formalität.
- Transkreation löst sich vom Wortlaut und schreibt Werbebotschaften neu, damit die Wirkung erhalten bleibt. Sinnvoll für Claims, Kampagnen und Startseiten-Headlines.
In der Praxis mischen Sie diese Stufen: Startseite und Kampagnenseiten werden transkreiert, Kategorietexte lokalisiert, technische Datenblätter übersetzt. Sortieren Sie Ihre Seiten daher vorab nach Wichtigkeit statt pauschal alles gleich zu behandeln. Details zum Leistungsumfang beschreibt die Seite zur Website-Lokalisierung.
Keywords recherchieren statt Keywords übersetzen
Der häufigste und folgenreichste Fehler ist die direkte Übersetzung der Keywordliste. Suchbegriffe entstehen aus dem Sprachgebrauch eines Marktes, nicht aus einem Wörterbuch. Nutzer im Zielland suchen unter Umständen mit einem Anglizismus, mit einer Abkürzung, mit einer Produktkategorie statt der Produktbezeichnung oder in einer ganz anderen grammatischen Form.
Richtig ist deshalb eine eigenständige Recherche in der Zielsprache und im Zielland: Welche Begriffe verwenden Wettbewerber vor Ort, welche Fragen stellen Nutzer, welche Suchintention steckt dahinter? Erst danach wird entschieden, welche Seite auf welches Thema ausgerichtet wird. Das kann bedeuten, dass die Seitenstruktur im Zielmarkt anders aussieht als im Ursprungsmarkt, weil zwei deutsche Seiten dort in einer zusammenfallen oder eine Seite in zwei aufgeteilt werden muss.
Praktisch heißt das: Der Fachübersetzer bekommt nicht nur den Text, sondern ein Briefing pro Seite mit Hauptbegriff, Nebenbegriffen und Suchintention. Titel, Meta-Description, Überschriften und Bild-Alternativtexte gehören ausdrücklich zum Lieferumfang und dürfen nicht vergessen werden, weil sie außerhalb des sichtbaren Fließtexts liegen.
Eine übersetzte Keywordliste beschreibt, wie Ihr Unternehmen über sein Produkt spricht. Eine recherchierte Keywordliste beschreibt, wie der Markt danach sucht.
URL-Struktur und hreflang
Die technische Grundentscheidung betrifft die Adressstruktur. Üblich sind länderspezifische Domains, Unterverzeichnisse innerhalb einer Domain oder Subdomains. Unterverzeichnisse sind für viele Projekte der pragmatische Weg, weil sie die Autorität einer Domain bündeln und den Betrieb vereinfachen. Eigene Länderdomains geben ein stärkeres lokales Signal, verlangen aber getrennten Aufbau und getrennte Pflege.
Unabhängig davon braucht jede Sprachversion eine eigene, dauerhaft erreichbare URL. Automatische Weiterleitungen anhand von Browsersprache oder IP-Adresse sind problematisch, weil sie Nutzer einsperren und die Erfassung durch Suchmaschinen behindern. Besser ist ein sichtbarer Sprachwechsler.
Mit hreflang-Angaben teilen Sie mit, welche Version für welche Sprache und Region gedacht ist. Wichtig dabei: Die Angaben müssen wechselseitig sein, jede Version verweist auf alle anderen und auf sich selbst; Sprach- und Regionscodes müssen korrekt gebildet sein; und die Angaben müssen zu den Canonical-Tags passen, sonst heben sich die Signale gegenseitig auf. Auch die Sitemaps sollten alle Sprachversionen abdecken.
Inhalte aus dem CMS exportieren und zurückspielen
Der Übergabeweg entscheidet über Aufwand und Fehlerquote. Das Kopieren von Texten in ein Textdokument und das spätere Zurückkopieren ist die teuerste Variante, weil sie Formatierungen zerstört und keine Wiederverwendung erlaubt. Besser ist ein strukturierter Export in ein austauschbares Format, das Übersetzungswerkzeuge direkt verarbeiten können.
- Export im XML- oder XLIFF-Format über eine Schnittstelle oder ein Erweiterungsmodul des CMS
- Klare Kennzeichnung von Platzhaltern, Variablen und Codefragmenten, damit sie unangetastet bleiben
- Trennung von übersetzbarem Text und Systemfeldern wie IDs, Slugs und Klassennamen
- Berücksichtigung von Inhalten außerhalb des Editors: Navigation, Buttons, Formulare, Fehlermeldungen, Bestätigungs-E-Mails, PDF-Downloads
Welche Formate sich eignen und wo typische Stolperstellen liegen, fasst die Übersicht zu Dateiformaten zusammen. Arbeitet Ihr Dienstleister mit einem Übersetzungsspeicher, profitieren Sie bei jedem Relaunch und bei jeder Produkterweiterung davon, weil bereits übersetzte Segmente wiederverwendet werden. Wie sich Inhalte in solchen Systemen gezielt auffinden lassen, zeigt die Anleitung zum Textsuchen in Trados.
Bilder, Einheiten, Formate und Rechtstexte
Lokalisierung endet nicht am Fließtext. Bilder mit eingebrannter Schrift müssen neu erstellt werden, weshalb Text möglichst außerhalb der Grafik liegen sollte. Screenshots einer Software müssen in der lokalisierten Oberflächenversion neu aufgenommen werden. Auch Bildmotive selbst können marktabhängig wirken.
Hinzu kommen Formate: Datums- und Zahlenschreibweisen, Dezimaltrennzeichen, Maßeinheiten, Konfektionsgrößen, Telefonnummern mit Ländervorwahl, Adressfelder in Formularen sowie Währungen mit korrekter Positionierung des Symbols. Prüfen Sie außerdem Sortierreihenfolgen und Validierungsregeln, etwa bei Postleitzahlen.
Rechtstexte sind ein eigenes Thema. Impressum, Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung und AGB sind keine Marketingtexte und dürfen nicht frei übertragen werden. Sie richten sich nach den Vorgaben des Zielmarktes, weshalb hier eine fachliche Prüfung nötig ist, oft in Verbindung mit einer juristischen Übersetzung. Wenn Sie Verträge oder Nutzungsbedingungen mehrsprachig führen, hilft der Ratgeber zur Vertragsübersetzung bei der Frage nach der maßgeblichen Fassung. Auch Cookie-Banner und Einwilligungstexte gehören in den Umfang.
Qualitätssicherung im Layout, nicht in der Tabelle
Sprachliche Korrektheit lässt sich in der Übersetzungsdatei prüfen, die Wirkung im Browser nicht. Deshalb gehört ein Kontrollgang auf einer Vorschauumgebung zum Projekt. Deutsche Texte werden im Englischen häufig kürzer, in romanischen Sprachen tendenziell länger, was Navigationen, Buttons und Kacheln sprengen kann.
- Prüfung aller Seitentypen inklusive Formularen, Filtern und Fehlerzuständen
- Kontrolle auf abgeschnittene Beschriftungen, Zeilenumbrüche und Überlappungen, auch mobil
- Prüfung interner Links, damit sie in der Zielsprachversion bleiben und nicht in die Ausgangssprache springen
- Kontrolle von Titeln und Meta-Descriptions auf Länge und Sinn
- Test von Suche, Sortierung und Sonderzeichen inklusive Umlauten und Akzenten
Ein abschließendes Lektorat durch eine zweite Person, die den Ausgangstext kennt, fängt die restlichen Ungereimtheiten ab. Planen Sie dafür ausdrücklich Zeit ein, statt den Launch direkt auf die Textlieferung zu legen.
Nach dem Launch: messen und nachschärfen
Lokalisierung ist kein einmaliges Projekt. Beobachten Sie nach dem Start, welche Seiten in der Zielsprache Sichtbarkeit gewinnen, wo Nutzer abspringen und welche Suchanfragen tatsächlich zu Ihnen führen. Häufig zeigt sich erst dann, dass eine Kategoriebezeichnung im Markt anders heißt oder eine Unterseite fehlt. Ergänzen Sie schrittweise: neue Inhalte, überarbeitete Titel, zusätzliche FAQ-Abschnitte.
Für die Auswahl geeigneter Partner lohnt der Blick ins Übersetzerverzeichnis, gegliedert nach Fachgebiet, oder die Suche nach Standort über die Städteübersicht, etwa in Berlin oder Stuttgart. Achten Sie darauf, dass Angebote den vollen Umfang abdecken, also Metadaten, Navigation und Systemtexte einschließen; Hinweise dazu gibt der Ratgeber zum Angebotsvergleich sowie die Übersicht zu den Kosten.